Limone

Athen: Stadt der Straßen-Limonen

Oktober 13, 2017

by — Posted in ALLGEMEIN, STADTLEBEN

Bruchstückhafte Beobachtungen beim Vagabundieren durch Athen:

 

  • Randvoll sind die Plastiktüten der armen Sinti-Roma Frauen, die am Rande der Wochenmärkte gemeinsam mit ihren Kindern kiloweise Limonen anpreisen. Erst später wird mir klar, dass viele Strassen in Athen mit Limonenbäumchen gesäumt sind. Limes grown in Athens!
  • Auf Toilettensuche in der Universität. Finde nur das Männerklo auf dem Gang neben einem großen Hörsaal. Ich zu Studentin: „Where is the bathroom for girls?“
    Studentin: „It is right here! It is a unisex toilet!
    Ich: Ahh… : 0
    Die Pissoirs in der ehemaligen Herrentoilette waren dann mit Plastiktüten abgedeckt. Genderneutrale Toiletten dank Wirtschaftskrise.
  • Aufgeregte, laute Menschentrauben an einem Gebäudeeingang. Auf der Strasse davor chaotischer Verkehr. Ich bin neugierig. Was steckt dahinter? Eine Botschaftsgebäude? Oder ein beliebter Verkaufsstand? Gibts hier was für umsonst? Nix da, es ist einfach nur Schulschluss an einer Grundschule. Helikoptereltern in Athen.
  • 30 Minuten Wartezeit in der Deutschen Botschaft. Passabteilung, da Geldbeutel in der Metro geklaut. Ein 10 jähriger Afghane ist Sprecher für seine Mutter und die fünf kleinen Geschwister – alle lächeln die Schalterdame hoffnungsfroh an als der Passantrag ausgefüllt ist. Ein Syrer hat seine Aufenthaltsgenehmigung verloren. Die Beamtin sagt: You have a big problem! Er geht ohne was zu sagen. Eine Deutsch-Türkin aus Istanbul setzt mir ihr Baby im Tigerkostüm auf den Schoss. Wir füllen gemeinsam ihr Antragsformular aus. „Ich kann nicht gut schreiben“, sagt sie zu mir. Eine deutsche Urlauberin Mitte 50 ist hysterisch, den Tränen nahe. Ihr Geldbeutel ist weg und sie erzählt den Beamten en Detail ihre Planung mit Freundin Gisela für die nächsten Tage. Die nächste arme Familie mit fünf Kleinkindern kommt in den Warteraum. Ein Grossvater mit acht Enkeln braucht ein Visum für einen Arztbesuch in Deutschland. Ein Türke will zur Presse gehen, wenn er nicht endlich zu seiner Familie nach Deutschland kann. Die Beamtinnen sind zu allen freundlich und haben endlose Geduld. Ich habe nach 30 Minuten einen Ersatzpass und gehe raus in die Sonne. Weltpolitik auf kleinstem Raum. (*Laut Botschaftsbeamtin kommen täglich zw. 5 und 10 Deutsche wegen Ersatzdokumenten aufgrund von Taschendiebstahl in die Botschaft.)
  • Polizeibeamte in Athen tragen auf dem Revier zivil. Alle jung, Sneakers – sehen aus wie hippe Agenturleute. Während dem Gespräch mit mir werden selbstgedrehte Zigaretten geraucht. Im Hintergrund läuft ein Fernseher. Fussball. Sie sitzen zu zweit am Schreibtisch – einer spricht, der andere tippt. Auf der Rückseite des PC-Bildschirms kleben mindestens zwanzig Ikonebilder. Rauchende Hipster-Cops in Athen.
  • Gespräch mit einer Deutsch-Griechin zum Thema griechische Männer: „In Griechenland kannst du dich nicht einfach mal mit einem Mann treffen ohne dass er dir gleich seine Mutter vorstellen will.“
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