Hand mit Pflanze

Unbequemes: Der Rassismus und ich

Januar 3, 2019

by — Posted in REVOLUTION

„Rassismuskritisch denken lernen!“, so lautet der Titel meiner Weihnachtsferienlektüre. Puh! Rassisten sind doch eigentlich nur die Rechten, die Gemeinen, die AfD-Wähler und Ewiggestrigen. Da gehöre ich nicht dazu. Was bedeutet rassismuskritisches Denken?

Die Autorin, Tupoka Ogette, beschreibt in ihrem Buch, dass Rassismus auch abseits der Ränder allgegenwärtig ist. Rassismus ist mehr als ein Einzelner, der in einer Situation People of Colour diskriminiert. Vielmehr ist Rassismus ein systemisches Problem, er begegnet uns im Alltag, in staatlichen Institutionen und in der Sprache. Er ist mehr Regel als Ausnahme. Wir sind alle rassistisch sozialisiert und haben die Aufgabe, unser Handeln kritisch zu hinterfragen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Das ist natürlich unbequem und deshalb bleiben wir lieber im „Happyland“ – so nennt es Ogette –, wo wir systemische Ungleichheiten ausblenden dank Happyland-Wohlfühl-Brille.

Welche Privilegien hast du, weil du weiß bist? Ich habe darüber nachgedacht und bin spontan nur auf drei Punkte gekommen. Ogette listet 50 Punkte auf, die mir einfach aufgrund meiner Hautfarbe zugestanden werden.

Hier nur ein Auszug:

  • Wenn ich eine Wohnung/Arbeit suche, stellt mein Weißsein kein Problem dar.
  • Ich kann ein teures Auto fahren, ohne für kriminell gehalten zu werden.
  • Ich werde nicht gefragt, für alle Menschen meiner Hautfarbe zu sprechen.
  • Kaufe ich Make-up in der Farbe „neutral“ oder Pflaster, kann ich sicher sein, dass sie meiner Hautfarbe ähneln.
  • Meine Anwesenheit in Deutschland wird als normal und selbstverständlich betrachtet, niemand wundert sich über meine Deutschkenntnisse.
  • Ich kann mich beweisen in schwierigen Situationen, ohne als leuchtendes Beispiel aller Menschen meiner Hautfarbe herangezogen zu werden.
  • Ich kann über viele soziale, politische oder andere Möglichkeiten des Engagements nachdenken, ohne mich zu fragen, ob eine weiße Person akzeptiert wäre in dem Bereich.
  • Ich kann mir ziemlich sicher sein, dass die Lehrer und Arbeitgeber meiner Kinder sie tolerieren werden, wenn sie sich an die Normen halten, die dort gelten. Meine größten Sorgen werden nicht sein wie die Einstellung Anderer bzgl. ihres Weißseins sein wird.

Ich fand das Buch wunderbar, weil die Autorin auf eine sehr achtsame Art und Weise gezeigt hat, dass Rassismus auch in meinem Leben eine Rolle spielt. Das muss man erst mal schlucken und sich nicht triggern lassen. Ich möchte mehr über die Geschichte des Rassismus erfahren und mich und mein Umfeld genauer beobachten. Was passiert, wenn ich rassistisches Verhalten im Freundeskreis anspreche? Wie gehe ich damit um, wenn mir Rassismus vorgeworfen wird?


Zum Weiterdenken:

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