2_Jutebeutel mit Orange

Innere Werte statt Plastik Fantastic

Juni 14, 2016

by — Posted in ALLGEMEIN, REVOLUTION

Plastikfasten, Zero-Plastik, Plastik-Detox, No-Plastik Supermarkt – all diese neuen Buzz-Wörter stehen für die trendige Renaissance des gar nicht neuen Themas „Verpackungsmüll reduzieren“. Fakt ist: Verpackungen nerven, manipulieren und sind schlecht für die Umwelt. Deshalb habe ich ein paar grundsätzliche Dinge beim Einkaufen verändert. Mein Ergebnis: Plastikfreie Alternativen entdecken macht Spaß, entschleunigt und bringt Fremde miteinander ins Gespräch.  

 

Teil 1: Grundlagen schaffen

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Wo starten, wenn der Plastikmüllberg nach dem Einkaufen verschwinden soll?

Bei mir stand am Anfang eine Inventur. Ich habe alle meine Vorräte von Plastikverpackungen befreit. Nudeln und Co. sind jetzt ausnahmslos in Glasbehältern verstaut. Sobald diese leer sind, fülle ich sie im verpackungsfreien Supermarkt in meiner Wunschmenge direkt in die Gläser nach. Impulskäufe wie die Monsterpackung Chia-Samen stehen nicht mehr im Schrank, sondern auf einer Ablage – so sehe ich sie jeden Tag und verbrauche sie hoffentlich, bevor sie endgültig ablaufen.

4_Aufgeräumt

Ich experimentiere mit neuen Verpackungsformen. Zwei kleine Jutebeutel für Obst und Gemüse sind jetzt immer beim Einkaufen mit dabei. Sie sind ein super Anknüpfungspunkt für Gespräche (Das ist ein kostenloser Flirt-Tipp :))6_schöner EinkaufStatt Frischhaltefolie benutze ich einen abwaschbaren Bienenwachsstoff, der bis zu einem Jahr wiederverwendbar ist.7_Alternativen

Bei einer Fahrradtour durch mein Viertel und Nachbarviertel habe ich gezielt nach Geschäften mit losen Lebensmitteln und regionalem Angebot gesucht. So eine Vagabundentour deckt neue Einkaufsmöglichkeiten auf, die im Alltag bisher ignoriert wurden. Kleine Geschäfte haben oft auch nicht so strenge Regeln, was das Verpacken in mitgebrachte Gefäße angeht. Das Web hilft zusätzlich Wochenmärkte oder Bauernläden in der Umgebung zu finden. Wochenmärkte und Hofläden sind leider keine Garantie für Produkte mit wenig Verpackung.

Kosmetik bleibt eine Herausforderung

Eine tolle Duschseife verschönert seit ein paar Wochen meinen Badewannenrand. Sie ist ergiebiger und günstiger als Duschgel. Der erste Haarseifentest hat es leider nicht gebracht – zu ölig. Gut für Glatzköpfe. Aber was mache ich mit den 200 anderen Kosmetikgeschichten im Bad?? Tbc …

3_Seifen

Rund um das Thema Putzmittel lässt sich wirklich 100 Prozent Verpackungsmüll sparen. Im plastikfreien Supermarkt (z.B. im „OHNE“ in München) stehen Zapfhähne für Spül-, Wasch- und Putzmittel. Einfach alte Verpackungen wiederverwenden. Die Klopapierrolle auf dem Foto soll so ergiebig sein wie vier Rollen.

1_PutzsachenSobald die Augen für Plastikverpackungen sensibilisiert sind, folgt eine Schockphase. Es ist total verrückt, was wir alles einpacken. Guter Nebeneffekt: Durch den Schock landet viel weniger im Einkaufswagen.

Im Supermarkt einkaufen geht

NETTO verkauft Obst und Gemüse lose. Achtet mal auf die Blicke der Kassierer, wenn ihr mit Jutebeuteln ankommt. Auch in türkischen Supermärkten wird Unverpacktes angeboten. Bei meinem Türken erzähle ich, dass die Jutebeutel toll sind und die Besitzer finden es ebenso spitze. Bei Tengelmann und Edeka sind Joghurt, Sahne und Milch im Mehrwegglas im Sortiment, beim Discountern nicht. Der Einkauf ist schwerer mit Glas – einfach Fahrrad mitnehmen.

Mein Einkauf sieht jetzt richtig schön aus, weil die Lebensmittel und nicht die Verpackungen leuchten. Weniger Auswahl beim Einkaufen reduziert außerdem Stress. Zudem verlieren Marken ohne ihre werbliche Verpackung an Bedeutung und Impulskäufe verschwinden (außer bei Heißhunger).  An der Käse- und Wursttheke empfehle ich, vor der Bestellung zu klären, ob mitgebrachte Verpackungen okay sind. Zuerst bestellen birgt das Risiko, dass alles von flinken Verkäuferfingern wieder in Plastik eingepackt wird. Ist in der Praxis gar nicht so leicht (siehe Foto oben mit Wurst in Plastikbeutel).

Im Alltag ist die Zeit knapp. Routine im Verpackungsfasten entsteht nur, wenn man sich Zeit nimmt, neue Einkaufslocations zu finden und ein paar Dinge im Haushalt umstellt. Ich schätze, dass ich mit den oben genannten Maßnahmen schon zwischen 30-60 Prozent weniger Müll produziere. Mal schauen, wie es weitergeht.


Infoveranstaltung zum Thema Plastik in München:

An jedem ersten Mittwoch im Monat findet in der Plastikfreien Zone in München ein Informationsabend namens „Plastikfreier Mittwoch“ statt.


 Punkte zum Weiterdenken und Weiterschreiben

  • Ich sehe nicht wirklich eine Alternative für Kosmetika. Schminke? Make-up? Bodylotion? Würde eine Beauty-Tankstelle mit Zapfsäulen hygienisch sein? Welche Produkte braucht man wirklich? Die Schönheitsindustrie lebt ja von den verheißungsvollen Verpackungen. Das Interesse Verpackungsmüll zu reduzieren ist deshalb gering. Tbc…
  • Soll sich der Verpackungsmüll verringern, dann müssen Angebote auch für Geringverdiener leistbar werden. Unverpackt konsumieren ist noch nicht unbedingt günstig. Deshalb ist es wichtig, dieses Thema mit Freunden zu diskutieren und in den Supermärkten anzusprechen. Idealerweise müssten sich Einkaufsgemeinschaften für Großbestellungen bilden. Einkaufskollektive? Warum eigentlich nicht?
  • Convienience Food wie Fertigpizza oder halbfertige Pasta produzieren am meisten Verpackungsmüll. Wer konsequent ist, muss auf Fertiggerichte verzichten. Ist das schlimm?

 

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