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Solawi ist mehr als Gemüsekiste

Februar 23, 2018

by — Posted in REVOLUTION, STADTLEBEN

Seit Weihnachten bin ich Genossin im Kartoffelkombinat und somit Teil einer Gemeinschaft mit über 1.000 Münchnern, die auf Solidarische Landwirtschaft (Solawi) setzen. Solche Zusammenschlüsse zwischen Privatleuten und Landwirtschaftsbetrieben schaffen autarke regionale Wirtschaftsgemeinschaften, die sich vom Markt und der Preispolitik großer Handelsketten abkoppeln können. Wie das geht? Über einen Genossenschaftsanteil und einen monatlichen Beitrag verpflichtet sich die Gemeinschaft zur Abnahme der gesamten nächsten Ernte einer Solawi Gärtnerei. Mit der dadurch gewonnenen Abnahmegarantie gewinnen Landwirtschaftsbetriebe die Freiheit, wirklich nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben und ihren Mitarbeitern faire Arbeitsbedingungen zu bieten.

Um 06:00 Uhr klingelte heute der Wecker. Ich habe mich als Packhilfe für die Freitagslieferung angemeldet. Um kurz vor sieben werde ich am Rosenheimer Platz von Martin und Alex abgeholt, die fest beim Kartoffelkombinat angestellt sind. Wir machen erst mal die Sitzheizung im Ford Transit an – es ist ein arschkalter Februarmorgen – und dann geht es über einen Zwischenstopp in der Backstube der Bäckerei Weyerer Richtung Gärtnerei. Meiner Gärtnerei!

Irgendwie gehört mir ja auch ein ganz winzig kleiner Teil davon. In einer innovativen Wirtschaftsgemeinschaft kann man nämlich selbst wählen, ob man nur still das geerntete Gemüse genießt oder sich aktiv in die Gemeinschaft einbringt. Der Gemüseanbau ist arbeitsintensiv – helfende Hände sind immer willkommen. Lauch ist zum Beispiel sehr aufwändig packfertig zu machen, der muss erst mal vom Friseur zurechtgestutzt werden. Erst im vergangenen Jahr hat das Kartoffelkombinat einen eigenen Betrieb gekauft: Die ehemalige Baumschule Würstle bei Oberschweinbach : ) (ca. 40 km westlich von München). Neben den Gewächshäusern und der Anbaufläche soll sich im Frühjahr auch die Community-Fläche weiterentwickeln. Dort ist Platz für Bauwagen, Zelte, abendliche Lagerfeuer und gemeinsames Feiern. Solawi ist eben mehr als eine Gemüsekiste.

„Hast schon mal einen Hubwagen bedient?“, fragt mich Gärtner Felix in der Packhalle. Ich nicke, ganz PR-Frau, und versuche, höchste Kompetenz bei maximaler Ahnungslosigkeit auszustrahlen. Im Schneckentempo fahre ich die Paletten zum Packband und alle sind trotzdem super freundlich. Packen, wiegen, schieben, einladen und nach gut zwei Stunden sind die zwei Lieferwägen unterwegs zu den Genossen mit kleinen und großen Ernteanteilen. Ich habe mit Freude die Kohlrabi und Schnittlauchtöpfe in die Kisten gepackt und mir vorgestellt, wie sich der ein oder andere in ein paar Stunden über seinen Ernteanteil freuen wird. Das Team war super nett und ich bin sehr neugierig darauf, auf dem Spielberg künftig noch mehr über den professionellen Gemüseanbau zu lernen.

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Die grünen Kisten sind Teil eines Kisten-Pfandsystems. So können kooperierende landwirtschaftliche Betriebe die Kisten untereinander austauschen. Das spart Zusatzaufwand! Jedem Ernteanteil liegt wöchentlich ein kleiner Newsletter mit Tipps und Rezepten bei.
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